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„Der Kiepenkerl“ von Anneliese  Gültzgoff - Henecka

16.10.1927 Wuppertal - 31.08.2015 Düsseldorf

 

Dokumentation zu einem Betonrelief der Bildhauerin von Stefan Fuhrmann, Hagen

 

Ende 2011 recherchierte der Autor im Hagener Stadtarchiv in alten Zeitungsausgaben der 1950er-Jahre nach verschiedenen Wiederaufbaumaßnahmen der Stadt Hagen. Dabei gelangten auch Berichte aus anderen Bereichen, wie Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Sport und Kultur, ins Blickfeld. So wie ein Zeitungsartikel in einer Hagener Tageszeitung vom 7. Juli 1959. Dieser berichtet über die Installation und Enthüllung eines Kunstwerks, das nicht nur dem Autor, sondern nahezu auch der gesamten Hagener Öffentlichkeit bis dato völlig unbekannt geblieben oder in Vergessenheit geraten ist.

Zum Anlass verweist der Artikel auf das Oktober 1958 stattgefundene 100-jährige Firmenbestehen des Hagener Textilunternehmens Gebrüder Cordes.

Hierzu stifteten im Sommer 1959 die Angestellten des Unternehmens als Jubiläumsgeschenk dieses Kunstwerk, ein Relief mit der Darstellung eines "Kiepenkerls" als künstlerisches, historisches Firmensymbol; eingelassen in der Treppenhauswand des ehemaligen Haupteingangs zur Potthofstraße, auf Höhe des ersten Treppenpodestes.

 

Abb.: Relief am 2012 abgerissenen Aufstellungsort

 

Unter dem Relief ein Widmungsschild: „Gestiftet von den Mitarbeitern der Firma Gebrüder Cordes zum 100 jährigen Jubiläum im Oktober 1958“.

In den Anfängen des Hagener und sauerländischen Textil-Großhandels zu Mitte des 19. Jahrhunderts, zum Zeitpunkt der Firmengründung der Fa. Gebrüder Cordes, haben die „Kiepenkerle“ als Vorläufer des reisenden Kaufmanns eine wichtige Rolle gespielt. Mit der vollgepackten Kiepe auf dem Rücken und einem derben Knotenstock in der Hand zogen sie über Land und verkauften ihre Kurz- und Wollwaren überwiegend an die ländliche Bevölkerung. Im Laufe der Zeit wurde ihr „Geschäftsmodell“ dann durch ortsansässige Geschäfte abgelöst.

Als ausführende Künstlerin, die auch zur Enthüllung anwesend war, stellt der Zeitungsartikel die Düsseldorfer Künstlerin Anne Henecka vor. Erwähnt wird, dass sich die Künstlerin durch die gekonnte Eigenart ihrer bisherigen Werke bereits einen Namen gemacht hat. In früheren Arbeiten habe sie bereits für die Ausführung ihrer meisten Plastiken in der Endausführung Beton verwendet. „Ein Material, welches sich für die Erzielung von Silhouettenwerten mit starker Plastizität besonders geeignet erwiesen habe.“ Des weiteren wird auch die künstlerische Umsetzung des Themas als treffend und gekonnt beschrieben.

In einer zeitgleich 1959 vom Ehemann Prof. Helmut Hirsch herausgegebenen Publikation über die Kunst und die Person Anne Heneckas ist ein ganzseitiges Foto des Tonreliefs zum Kiepenkerl wiedergegeben.

 

 Abb.: Der Kiepenkerl, abgebildet in

            Essays über Kunst und Künstlerin, Anne Henecka,

            von Helmut Hirsch, 1959, Verlag J.H. Born Wuppertal

 

Nach einer Rücksprache im Jan. 2012 mit dem Immobilienmanagement der Fa. SinnLeffers, bis 2011 noch Eigentümer der ehemaligen Gebr. Cordes-Immobilie, befand sich das Kunstwerk nach wie vor an alter Stelle. Wie schon erwähnt, auch aufgrund des in den letzten Jahren kaum noch genutzten Gebäudes, war das Kunstwerk total in Vergessenheit geraten.

 

Schon seit Ende 2010 war bekannt und im Laufe von 2011 endgültig entschieden worden, dass in dem innerstädtischen Kernbereich zwischen Rathausstr. und Mittelstr. eine neue Einkaufspassage, die „Rathaus-Galerie“ entstehen sollte. Das aus München stammende Stadtentwicklungsunternehmen GEDO GmbH und das beauftragte Architekturbüro KuBuS beabsichtigte den ausgedehnten betroffenen Bereich, einschließlich des großen Gebäudekomplexes der SinnLeffers AG, in dem sich Kunstwerk befand, abzureißen. Auch die Schließung der Hagener Verkaufsfiliale der SinnLeffers AG Anfang 2012 war eine zwangsläufige Folge dieser Pläne.

 

Anlässlich eines Treffens vor Ort mit Vertretern der Fa. SinnLeffers AG, kostete es einiges an Überzeugungsarbeit, dieses regionalgeschichtlich und künstlerisch interessante Bilddokument vor dem unmittelbar anstehenden Abbruch zu bewahren.

 

 

Schließlich, am 1. März 2012, zeitgleich mit dem Beginn der ersten Entkernungsarbeiten im betroffenen Gebäude, wurde das Betonrelief von einer beauftragten Hagener Stukkateurfirma aus der Treppenhauswand demontiert.

Nach dem Transport in die Stukkateur-Werkstatt wurde das etwa 60 kg schwere Betonrelief, Größe ca. 78 x 56 cm, 8 cm dick, von seiner Jahrzehnten alten „Patina“ gesäubert. Aufgrund einer von außen nicht erkennbaren Stahlarmierung entstand leider beim Ausbau ein horizontal verlaufener Riss. Dieser wurde dann möglichst unauffällig fachmännisch gesichert.

Nach Abschluss dieser Arbeiten wurde das Betonrelief von Fa. SinnLeffers in der ehemaligen Hauptverwaltung in Hagen für eine spätere Verwendung eingelagert.

 

Anfang 2013 übernahm der Moderiese Wöhrl aus Nürnberg das aus wirtschaftlichen Gründen inzwischen stark geschrumpfte Unternehmen SinnLeffers GmbH. Im Juni 2015 wurde die erneute Einrichtung einer großen Verkaufsfiliale in dem 2014/2015 umgebauten innerstädtischen Einkaufscenter „Volme-Galerie“ beschlossen.

 

Abb. Hagener Einkafscenter "Volme-Galeri"Abb. Hagener Einkafscenter "Volme-Galeri"

Abb.: Hagener Einkaufscenter „Volme-Galerie“

 

 In diesem Zuge wurde von der Geschäftsleitung ein Wiedereinbau des Kunstwerks „Der Kiepenkerl“ in dieser neuen Hagener Verkaufsfiliale eingeplant.

 

Nach Abschluss der Umbauarbeiten und seit der von der Hagener Bevölkerung viel beachteten Filialeröffnung am 18. März 2016, wird das Kunstwerk in den Räumen der Filiale wieder der Öffentlichkeit präsentiert. Nahe am Haupteingang hat es seinen neuen Platz erhalten. Angestellte und Kunden freuen sich über die gelungene Integration eines außergewöhnlichen Kunstwerks in den attrativen Verkaufsräumen.

 

 

Es ist der Fa. SinnLeffers GmbH zu danken, dass dieses aus 1959 stammende künstlerische Zeitdokument, wieder öffentlich zugänglich gemacht wurde.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fotonachweis: Fotos und Buchreproduktion von Stefan Fuhrmann, Hagen,  2004-2016

Copyright 2015, http://www.fuhrmann-hagen.de