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lse Häfner-Mode                                                                                            Kunstkritik

1902 - 1973

 

Die kleine Galerie Weber in der Dessauer Straße, die immer etwas Bemerkenswertes herausfischt, läßt Ilse Häfner-Mode zu Worte kommen. Dreierlei Dinge marschieren hier auf, und dreierlei Stile. Zunächst Malereien, Figurenstücke, immer wieder Frauen, deren Köpfe und Halbgestaltungen von milden Schleiertönen überhaucht werden. Man fühlt den Willen, die Erscheinungen aus ihrer handgreiflichen Realität leise herauszuheben. . . . . Sodann Aquarelle: Reise um die Welt und Märchenillustrationen, ganz reizend, phantasievoll, von liebenswürdiger Pikanterie. Drittens jedoch: B i l d - s t i c k e r e i e n ! Von origineller Haltung und so merkwürdiger technerischer Sicherheit, daß ein ganz starker Eindruck davon ausgeht . . . . .

"Vossische", 23.4.1932 

Aus der Kritik von Max Osborn.

 

Ilse Mode (Berlin)  zeigt in den Räumen der Galerie Betty Thomen ihre Wollbilder, gestrickte Bilder, die von einer originellen Begabung und von einem hohen Können zeugen . . . . In dieser virtuosen Stricktechnik, der alles Kleinliche fremd ist, kommt nun  eine reiche künstlerische  Phantasie zum Ausdruck, ein ausgeprägtes Gefühl für Form und Komposition und bildhafte Wirkung . . . . . Daß Ilse Mode auf dem Gebiet des Aquarelles ebenso qualitätsvolle  Arbeiten vorzuweisen vermag, wurde schon hervorgehoben.  Da sind ihre in eigentümlicher Technik gehaltenen Illustrationen zu Tolstoi, Dostojewsky, Balzac, die voller Stimmungen sind und in dieser Hinsicht ausgezeichnet die Forderungen der Illustration erfüllen. Geheimnisvolle Zwischentöne  und die Atmosphäre von Festen und Bällen der  Siebzigerjahre geben ihnen die besondere Note.                                                                                                                        Baseler Nachrichten  1934

 

Ihre Aquarelle sind von zartem Farbduft und geschmeidigem Linienfluß; sie stellen vor allem elegante, empfindsame und sensualistische Weiblichkeit dar. Illustrationen zu Maupassant, Zola, Dostojewsky und anderen Autoren haben oft eine erotisch-mondäne Atmosphäre, die nicht jedermann begeistern wird und nicht recht in unsere rauhen Zeiten zu passen scheint . . . . .

 Neue Züricher Nachrichten 18.2.1950

 

 

In der P A L E T T E an der Seefelderstraße lernt man die vor dem Krieg in Deutschland bereits bekannte Malerin Ilse Häfner-Mode kennen, eine Künstlerin von echt weiblicher Empfindsamkeit, deren Arbeiten voller Charme und Grazie sind. . . Transparenz und ein dünner, elegischer Linienfluß kennzeichnen die Arbeiten, deren feminine Anmut zu bestricken vermag. Märchenstimmung ist in den einen, Exotik und etwas sublimiert Erotisches in den anderen Werken, aber alle wirken auf eine raffinierte Weise pikant und seltsamerweise nicht einmal zu ihrem Schaden maniriert, ja, es ist sogar ihr verfeinert mondänes Element, ihre morbide Zartheit, denen die Blätter ihren Klang und ihre Schönheit verdanken. Constantin Guys erscheint ins Traumhafte übersetzt, die Welt der Laurencin, der Ilse Häfner wohl am nächsten steht, mit süßer Melancholie durchtränkt und Kees van Dongen mit Lautrec und Degas vermischt. Denn diese deutsche Künstlerin . . . . . hat den Anschluß an die französische Malerei mit bewundernswerter Sicherheit zu finden gewußt und damit die Schwere und Erdengebundenheit überwunden, der Zauber des Spielerischen liegt über ihren besten Schöpfungen, die eine leise und reine Melodie anstimmen.

 Tages-Anzeiger für Stadt und Kanton Zürich, 18.2.1950

 

Die Malerin gehört zu den stärksten, profiliertesten Schaffenden des Landes. Der typisch weiblich sensible Duktus ihrer Handschrift ist nie zu verkennen. Die städtische Galerie, Schloß Oberhausen, besitzt bereits eins ihrer fein schwingenden Bilder, und wird ein zweites hinzuerwerben.

Ilse Häfners Weise ist absolut malerische Gestalt. Sie lebt und atmet mit der Farbe. Ihre Palette kennt mehr den sanften als den augenfälligen effektgeladenen Klang, tonige oder ins Blasse verfremdete Valeurs von einer merkwürdigen uralten Melancholie und nach innen lodernder Sinnlichkeit.

 

Das Thema Mensch findet bei dieser Künstlerin eine sehr persönlich bekenntnishafte Abwandlung. Ihre Gestalten haben Traumgesichter, erfüllt von Sehnsucht, Trauer und einer Hoffnung, die jenseits irdischer Realität keimt, und doch sind sie durchaus von dieser Welt. Sie stellen sich dar in einer subtil gefilterten Atmosphäre von Licht und Luft, in sie eingesogen und aufgelöst. . . . .

 

Vielleicht erklärt sich ihre schwerblütig zurückdeutende Harmonie, wenn man weiß, daß Ilse Häfner-Mode Jüdin ist. . . Die Qual des Konzentrationslagers ist ihr nicht erspart geblieben. In ihren Bildern ist keine Märtyrerpose daraus geworden, sonden Verinnerlichung und großes Verzeihen zu spüren. Vielleicht schlägt in dieser menschlichen Empfindung das Herz ihrer Kunst am reinsten.

Westdeutsche Allgemeine, 14.01.1961

 

 

 

 

Eine erste umfassende Überschau über das Gesamtwerk von Ilse Häfner-Mode vermittelt eine Sonderausstellung, die im Schloß Oberhausen zu sehen ist. Dr. Griebitzsch, der sehr bewegliche Direktor der Galerie, darf als Verdienst die Wiederentdeckung der Malerin nach dem Kriege für sich buchen. . . Ilse Häfner-Mode war "1000 Jahre" lang für die kunstinteressierte Öffentlichkeit verschollen. Trotz Malverbots, Nachstellungen und KZ-Aufenthalts aber malte sie "im Untergrund" unentwegt weiter... Man tritt mitten unter die Menschen, wenn man zum Ausstellungsraum in der zweiten Etage des Schlosses hinaufsteigt . . . alles großformatige Figurendarstellungen, in denen sich ein psychologischer Expressionismus mit einer edlen Klassizität der Haltung verbindet. Impressive Flüchtigkeit der Farbe begegnet großzügig-kräftiger Formgestaltung. Über Jahrzehnte hinweg scheinen sich Ilse Häfners Menschen eine gleichbleibende heitere und ruhige Gemütslage bewahrt zu haben. Persönlich erlittenes ist hier überhöht zu transparenter Menschlichkeit. Malweise und Motive erinnern an die Figurenkomposition von Karl Hofer . . . aber niemals entgleisen die Bildnisse ins Fratzenhaft - Teuflische. . . Ihre Kunst hat spirituelle Dinglichkeit.

Düsseldorfer Nachrichten (G. Bartunek)  Januar 1961

 

 

In  ihren Bildern ist keine Anklage, sondern fast elysisch entrückte Gelassenheit. . . . Die Menschen, die Ilse Häfner-Mode malt. sind versunken - in sich selbst oder in die Liebe zu einem anderen. Und über ihrem Blick wie auch über den Farben, die sich vor zarter Zurückhaltung bis zur intensiven Leuchtkraft steigern können, liegt der Schleier der Melancholie. . . Diese Begegnung mit dem über 30 jährigem Schaffen einer Malerin ist beglückend. Denn sie beweist, daß in unserer von einer tachistischen, non-figurativen, informellen Kunst - den Genre-Bildern eines technisierten Zeitalters - beherrschten  Gegenwart das Bild des Menschen noch nicht verloren gegangen ist. Ilse Häfner-Modes Werk wäre es wert, auch in Düsseldorf in einem solch großen Überblick ausgestellt zu werden.